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Mittwoch, 7. April 2010

Tuareg Rallye Tag 4

Der 4. Rallyetag fing eigentlich sehr gut an. Muss an dieser Stelle mal einwerfen, dass ich im Hotel Merzouga eine Suite für mich alleine hatte, d.h. 3 Zimmer mit insgesamt 6 Betten, Klimaanlage im Schlafzimmer (aber nie eingeschaltet), getrenntes Klo und 24h warmes Wasser. Andere konnten immer nur duschen, wenn die Sonne schien. Also gut geschlafen, gut gefrühstückt und an diesem Tag war es morgens schon ziemlich warm, so dass ich anstatt der Rallyejacke ein Cross-Shirt trug. Weiterhin machte ich den Fotorucksack "sandfest" ... nahm aber nur 2 Objektive mit.

Als erstes war der LeMans-Start der Königsetappe an der Tagesordnung. Da war gleich von Beginn an richtig Action im Rennen. Besonders die vorden Motorradprofis ließen es recht schnell angehen. Bei den PKW lief es etwas langsamer ab, wobei an diesem Tag es in keiner Klasse einen absolut Führenden gab. Heute gibt's mal kein Foto von Steffi & Benni ... sie hatten zu diesem Zeitpunkt Platz 2 inne mit ca. 1 Stunde Rückstand auf den Dessert Warrior. Sie ließen es ruhig angehen, mit dem Wissen, auf der Königsetappe sicher und gut navigieren und fahren zu können.

Nach dem Start fuhr ich zurück zum Hotel, um mich mit Thomas zu einer leichten Sandfahrt zu treffen. Hubert, auch auf einer HP2 unterwegs, gesellte sich noch zu uns und wir starteten unsere Runde rund um Erg Chebbi. Anfangs auf einer Sandpiste mit recht vielen Fahrspuren. Ich wünschte mir einen Lenkungsdämpfer hierbei, doch Alladin erschien leider nicht aus meiner Trinkflasche. Wir wechselten dann auf die Dünenausläufer. Es machte einfach mehr Spaß und auf dem jungfräulichen Sand ließ es sich schön fahren. Zwischendurch machten wir einen kleinen Abstecher auf ein kleines Plateau. Vor uns lagen die Dünen des Erb Chebbi und in einiger Entfernung konnten wir ein Paar Rallyeteilnehmer erkennen. Da oben standen sogar ein Paar Einheimische rum und ich frage mich noch heute, wieso sie uns nichts verkaufen wollten.


Dann ging's wieder runter vom Berg, weiter über die Sandpiste und dann zu den kleinen Dünen. Zu diesem Zeitpunkt wechselte mein Unwohlsein beim Sand fahren und Wohlsein. Die Sicherheit auf Sand stieg und folglich fuhr ich etwas schneller. Zu schnell. Es war dann ein blöder Dünen-Anfänger-Fehler der mir zum Verhängnis wurde. Normalweise fährt man eine Düne hoch und schaut erstmal, was dahinter ist. Ich tat es nicht und setzte nach einer Dünen ungewollt zum Sprung an. Wie weit kann ich irgendwie nicht mehr sagen ... so gefühlte 50m ... mein ganzes Leben schoß an mir vorbei ... vorher ich hab ich nur diesen Hang zum Übertreiben ? Ich landete mit einem kleinen Schlenker auf der nächsten Düne und zu meiner Überraschung saß ich immer noch auf dem Motorrad und fuhr weiter. Ziemlich schnell merkte ich nun, dass mein linker Arm nicht mehr so richtig meinen Befehlen gehorchen wollte und alles mit dem Wort "Schmerz" beantwortete. Ich wurde langsamer und ließ mich in den Sand fallen. Ich bin weich gefallen. Die Schulter schloß sich dem Wort "Schmerz" an und nun lag ich da. Hubert sah ich noch, wie er hinter der Düne verschwand. Mein ganzes Leben schoß schon wieder an mir vorbei, denn das Ende war nahe. Ich nahm mein Mobiltelefon raus ... Mist, kein Empfang. Überall in Marokko stehen mittlerweile Telefonmasten, aber genau an dieser Stelle ist kein Empfang. Die Todesangst stieg in mir hoch und ich sah schon den Todesreiter mit seiner Sense über die Dünen kommen. Ah nee ... das war der Hubert, der mich nicht mehr hinter sich sah. Dem Todesschwarz wich langsam das bayerische blau-weiß. Aber was nun. Ich lag im Sand, hatte tierische Schmerzen und mein Puls wollte einfach nicht sinken, ich war außer Atem. Zum Glück klappte ich nicht um. Mittlerweile war auch Thomas an der Unglücksstelle eingetroffen. Auch mit seinem Handy konnten wir keinen erreichen. In der Nähe war ein einheimischer Trecker zu sehen ... Hubert machte sich auf, ihn zu holen, um mich zum Hotel / zu den Sanis zu transportieren. Glücklicherweise kamen zu diesem Zeitpunkt 2 Marokkaner in einem Defender vorbei. Der eine fuhr mich mit dem Defender ins Hotel "Tuareg". Die Fahrt war absolut schmerzhaft. Jeden Stein spürte ich in meiner Schulter. Wir erreichten zwischendurch eine asphaltierte Straße, doch zu meiner Überraschung ging es kurz vor Merzouga wieder offroad weiter. Ich denke mal, der Fahrer hatte keinen Führerschein. Haben die da überhaupt Führerscheine ? Der andere Marokkaner fuhr mit meiner LC4 hinterher. Was für ein Service. Natürlich wollten die beiden ein Paar Dirhamms dafür haben .... zuerst 1.000 (ca. € 100,00). Einer der Sanis handelte sie auf 400,00 runter und ich gab ihnen 500,00. Keine Ahnung wie lange ich ohne die beiden noch im Sand gelegen hätte. Vielen Dank noch einmal von hier aus. Dazu kommen natürlich die beiden Bajuwaren Hubert und Thomas. Mein Dank an die beiden war so groß, dass ich mich nach der Rallye ganz offiziell im GS-Forum bedankt habe. Jeder LC8 Fahrer weiß, wovon ich rede.

Jetzt ist erstmal Schluß für heute. Als nächstes wird Mike einen Bericht über das Service-Team schreiben (schon fast fertig) und ich werde mich an das Thema "Luxation" herantasten. Hierfür fehlt mir noch etwas Bildmaterial. War schon eine Aktion mit Steffen und Klaus.

Aber mal so aktuell: Vorgestern bin ich mal wieder eine Runde LC8 und MTB gefahren. MTB war noch sehr unsicher, aber Motorrad ging. Heute dann das erste mal Krankengymnastik ... Physio hört sich besser an ... war auch ok und so gesamt gesehen geht's steil bergauf.

Sonntag, 4. April 2010

Der Tag als „Beifahrer“

Ich fange mal ganz von vorne mit dem Rallye Fahren an. 2008 war es mir zu langweilig, Steffi beim „im Kreis Fahren“ zuzuschauen. 2008 war Ihr letztes Jahr, in dem Sie am VLN Langstreckenpokal teilgenommen hatte. Es musste also eine neue Herausforderung her, an der wir beide teilnehmen konnten, ohne dass dabei der Spaß auf der Strecke blieb. So wurde die Idee zum Rallye fahren geboren. Allerdings gab es noch ein Problem: Wer fährt und wer navigiert? Dieses konnten wir leider erst während der letzten Tuareg Rallye lösen. Anscheinend wurden Frauen von Mutter Natur nicht mit dem Gen ausgestattet, dass sie während der Fahrt lesen können, ohne dass ihnen noch einmal das Essen durch den Kopf geht. Somit ist mir die Stelle als Beifahrer und Navigator zugefallen, ob ich wollte oder nicht. Dabei ist es ein undankbarer Job. Man muss sich unter den widrigsten Umständen immer konzentrieren und den richtigen Weg finden. Da man auch meistens auf Navi, Kompass und Roadbook fixiert ist, wird jedes Schlagloch zur Überraschung … rummmmssssss. Aber die Lorbeeren für den Sieg bekommt immer der Fahrer und der Beifahrer steht in seinem Schatten.

So jetzt mal zur Tuareg Rallye 2010
Gleiches Auto und gleiches Team, nur dieses Jahr funktionierte der Tripmaster und das Navi ohne Probleme. Somit sollte es für mich ein leichtes sein, dieses Jahr alle Checkpoints zu finden und fehlerfrei durchzukommen. Vor jedem Start heißt es, Roadbook bearbeiten und mit demTrack auf dem Navi überprüfen. Denn auch die beste ORGA macht Fehler, so stimmten häufiger die Kilometerangaben im Roadbook nicht. Steffi wollte dies immer am Vorabend machen, doch ich hielt es für ausreichend, dieses kurz vor dem Start zu machen. Da hatte man dann wenigstens eine Beschäftigung, denn bereits 45 min vor der eigentlichen Startzeit musste das Team beim Startpunkt sein und seine Timecard abholen. Andere zogen es vor, in dieser Zeit ständig auf Toilette zu gehen.


Bei der Tuareg Rallye gibt es zwei Unterschiedliche Navigationsarten: Zum einen das Navigieren auf Pisten. Hier fährt man mit dem Roadbook in Verbindung mit dem Tripmaster ( genauer Kilometerzähler) und natürlich markanten Punkten an der Strecke. Das Navi spielt nur eine geringe Rolle, es wird nur benötigt, um die Position des nächsten Checkpoints zu kennen. Die zweite Variante ist das Fahren im Wüstensand. Hier benötigt man nur das Roadbook, Navi und den guten alten Kompass, denn in der Wüste gibt es vielleicht bis auf eine Oase keine markanten Punkte. Das Entscheidende in der Wüste ist, den richtigen und einfachsten Fahrweg zu finden und sich nicht zu überschlagen. Folgend ein Auszug aus dem Roadbook der Kingstage 2009:



Ansonsten gibt’s noch 3 kleine Regeln bei der Navigation:
1. Sollte Deine Navigation nicht ausgefallen sein, folge niemals anderen Rallyeteilnehmern, denn sie könnten sich verfahren haben. Sollte sie aber auch richtig sein, behalte Deine Navigation immer auf dem aktuellen Stand.
2. Lass Dich niemals von Reifenspuren im Sand oder Dreck bei Deiner Navigation beeinflussen. Sie könnten von einer Touri-Gruppe sein.
3. Fahre niemals in die Richtung, die von den einheimischen Kindern angezeigt wird.

Und nun ein kleiner Eindruck aus dem Rallye-Alltag. Dazu nehme ich mir das Dünen Rennen als Beispiel. Dabei ging es darum, schnellst möglichst zwei Runden durch die Dünen zu fahren. Da wir mit 2 Stunden Vorsprung das Rennen anführten, wollten wir es ruhig angehen, langsam fahren und das Auto heile lassen. Aber wie es immer so im Leben ist, kommt es immer anders als man denkt. Wir hatten irgendwie nicht unseren besten Tag. Vielleicht lag es daran, dass man nachts immer vom Fahren in den Dünen träumt und dadurch schlecht schlafen konnte. Die erste Runde absolvierten wir relativ problemlos, wobei es schon eine gewisse Anspannung im Cockpit gab. Steffi hatte mal wieder Ihren Dickschädel und wollte nur nach ihrem Kopf fahren, egal ob es ein Umweg war oder nicht. Ich wollte am liebsten den Platz wechseln und selber fahren. In der Mitte der zweiten Runde war es dann soweit, wir hatten den Checkpoint Mitte angefahren und parkten vor ihm. Steffi war auf dem Weg, um sich den Kontrollstempel am Checkpoint zu holen als neben mir eine Motorradfahrerin anhielt. Mein Seitenfenster war ganz geöffnet. Als Sie dann versuchte ihr Motorrad zu parken und das macht man in der Wüste wie folgt: Anhalten, 1. Gang einlegen und so lange Gas geben bis sich der Hinterreifen im Sand eingräbt, flog der ganze aufgewirbelte Sand auf und in den Defender. Im Klartext, im Fußraum, mein Sitz, Hose und wo Sand überall noch hinkommen kann waren voll von den kristallinen Steinchen. Zu meinem Leid klemmte das Seitenfenster, so dass ich es auch nicht schließen konnte.



Auf dem Foto sieht man den Defender, wie er gerade von einem Motorrad besandet wird. Aufgenommen aus ca. 1.000m Entfernung.

Dies reichte aus, meine Laune auf den Tiefpunkt zu bringen. Zum Glück mussten wir nur noch in das 7 km entfernte Ziel. Mittlerweile war es kurz nach 11 Uhr. Das Timelimit war 13 Uhr, so dass wir noch Zeit hatten. Allerdings hat die Wüste in der Mittagszeit so ihre Tücken. Man sieht keine Konturen mehr. Das heißt, es kann passieren, dass man auf einer Ebene fährt und dann einfach mal ins Loch fällt, weil man die Kante nicht sehen konnte. Naja, so kam es dann auch: wir fuhren und plötzlich ging es abwärts in ein V- förmiges Tal. Dort rutschten wir so dämlich rein, dass der Defender hinten links in der Luft hing und hinten rechts völlig eingefedert war. Vorne sah es ähnlich aus, nur das die Seiten vertauscht waren. Zu allem Überfluss hatte sich auf der Fahrerseite noch der Reifen von der Felge gelöst. Dieses kann Aufgrund des geringen Reifendrucks den man im Sand fährt, ca. 0,8bar, passieren. Wir fingen also zu zweit an zuschaufeln. Das Problem war aber, dass der von den Hängen rutschenden Sand wieder nachkam. Bei uns machte sich die Angst breit, dass wir das Ziel nicht mehr pünktlich erreichen und somit 4 Strafstunden kassierten und die Führung verlieren. Steffi machte den Vorschlag, zu Fuß zum Ziel zu laufen und sich den Stempel zu holen. Wäre es erlaubt ohne Auto anzukommen? Wir waren uns unsicher und entschieden lieber weiter zu buddeln. Auch der Einsatz unserer Sandbleche brachte kein Erfolg, der Defender saß fest. Auch zwei weitere Autos übersahen das Loch, eins schaffte es im letzten Moment noch , um uns herum zu fahren, das zweite Stand hinter uns und konnte erst weiter, wenn unser Defender aus dem Weg sein würde. Allerdings interessierte es sie nicht und sie blieben einfach im Auto sitzen. Das Duckworth Team sah unser Missgeschick und hielt an, um uns zu helfen. Mit 4 Sandblechen und viel Schaufeln bekamen wir den Defender dann frei. Den Duckworth Leuten sein Dank.


Der Duckworth Desert Warrior ... auf der einen Seite die helfenden Hände beim Dünen-Rennen, aber auch Fahrer des zweit schönsten Rallye Cars ... noch schöner war deren Service-Fahrzeug (Defender 110 in orange metallic)

So nun noch schnell den Reifen wechseln. Als es weiterging, war es schon 12:20 Uhr und wir waren wieder auf der Jagd, das Ziel doch noch pünktlich zu erreichen. Als nach einigen Minuten ein entscheidender Satz von Steffi kam: „ Benni, ich glaub ich habe die Radmuttern nicht festgezogen!“. Ich dachte, na prima und schaute aufs Navi, es waren nur noch knapp 2 km. Jetzt nochmal anhalten und die Muttern nachziehen oder weiter Gas geben und das Risiko eingehen das Rad zu verlieren? Tja, das war wohl die Frage des Tages. Ich entschied, wir gehen das Risiko ein und fahren durch. Gesagt … getan, wir erreichten das Ziel um 12:40, also wäre noch Zeit gewesen, die Radmuttern zu kontrollieren. Völlig fertig fuhren wir in unser Hotel zurück. Nicht nur der Defender brauchte ein Pause, sondern wir auch. So machten wir erstmal Siesta und legten uns für 2 bis 3 Stunden schlafen. Wie sich noch herausstellte, waren die Radmuttern relativ fest. Ich denke, Steffi hatte sie doch mit ihrer maximalen Kraft angezogen. Sie ist eben ein Fliegengewicht. An diesem Tag haben wir eine Stunde unserer Führung verloren, aber wir hatten noch ein kleines Polster und freuten uns auf den nächsten Rallyetag. Endlich wieder raus aus den Dünen zurück auf die Piste! Wir konnten keinen Sand mehr sehen!!!

Dienstag, 30. März 2010

Tuareg Rallye Tag 2

so, jetzt geht's weiter ...

Eigentlich war ich am 1. Tag noch nicht ganz fertig mit meinem Bericht. Es fehlt noch der Einblick in meine Psyche .... oh Gott, was kommt jetzt. Mein "Kopf" war einfach platt durch die Strapazen der letzten 48 Stunden. Der Rest meines Körpers war fitter als gedacht. Irgendwie wollte ich am nächsten Tag bereits eine Pause einlegen.

In der Nacht wechselte sich die Kälte mit dem Schnarchen den anderen Zeltbewohner ab und um 06:00 Uhr war sie bereits zu ende. Danach gab's einen relativ guten Kaffee, doch feste Nahrung zum Frühstück bekam ich nicht runter. Mittlerweile hingen die Ergebnisse des Vortages aus. Ich hatte Platz 19 von 32 erreicht. Das puschte mich etwas nach oben, aber an diesem Tag startete ich nicht ... eine Tatsache, über die ich mich heute extrem ärgere. Ich Memme !!! Andere fuhren mit gebrochenen Rippen oder gerissenen Bändern und ich .... Memme halt.

Benni und Steffi .... bei der nächsten Erwähnung werde ich die Namen mal umdrehen .... waren am Vortag auf Platz 3 gefahren. Die beiden hatten im Flußbett auch etwas mit der Navigation zu kämpfen. Der Start für den 2. Tag verlief kurios, denn der im Roadbook beschriebene Weg zum Startpunkt war nicht befahrbar. Ein Brücke war einfach weggespült worden. Alles verzögerte sich enorm. Es folgte ein neues Briefing im Hotel und in einer Kolonne ging's dann gemeinsam auf einem anderen Weg zum neuen Startpunkt.



Ich fuhr an diesem Tag Lisa und Mike hinterher. Geplant war ein gemeinsames Kaffee trinken bei CP2 mit Steffi und Benni. Der Weg war lang ... aber bald stellte sich heraus, dass wir eine tolle Route gewählt hatten. Zwischen Rich und Errachidia erwartete uns eine Paßstraße, die uns bis auf 1.889m hinaufführte. Die Straße war in einem guten Zustand und gespickt von Kurven. "Leider" hatte ich anstatt einem Schlauch Moosgummiringe in den Reifen, was ungefähr mit einem Reifendruck von 0,8 bar zu vergleichen ist. Ich fuhr also gehemmt in den Kurvenspaß. Hinter uns lag ein weites Tal und das schneebedeckte Atlasgebirge. Eine tolle Aussicht.


Errachidia, eine 90.000 Einwohner starke Provinz-Hauptstadt, passierten wir nach ca. 250 km. Hier schien gerade die Schule beendet worden zu sein, denn auf der Straße sahen wir unendlich viele Kinder und Jugendliche. Sie nahmen einfach kein Ende. Anstatt nun weiter in Richtung süden direkt nach Merzouga zu fahren, bogen wir nach Osten ab in Richtung Algerien. Hier sollte sich der CP2 befinden. Auf der Landstraße dorthin sahen wir links auf einem Hügel ein Sani-Car ... in der Hoffnung, das könnte der CP sein, fuhren Lisa und Mike erstmal offroad zu den schlecht gelaunten Sanis. Die schickten sie vom Berg wieder runter in Richtung CP2. Dort angekommen war erstmal Kaffeepause angesagt, sowie das Warten auf Steffi und Benni.


Das Warten auf die beiden hielt sich in Grenzen. Zwischendurch konnten wir noch etwas als Serviceteam arbeiten ... ein LC4 Fahrer brauchte einen neuen Schlauch ... ein Defender-Team einen Zurrgurt ... ein Husabergtreiber gab uns seinen Motorschutz, der sich langsam von seinem Bike gelöst hatte, um ihn mit ins Zielhotel zu nehmen. Steffi und Benni liefen auch ein ... aber recht hektisch (Steffi halt) ... befreiten sich vom überflüssigen Urin ... vertraten sich kurz die Beine ... reduzierten ihren Reifendruck .... und erzählten etwas von ... "wir müssen weiter" und "die Amateure schaffen das nicht". Also wieder rein in den Defender und weiter. Diese Aktion war übrigens für den Sieg in der Gesamtwertung mit entscheidend, denn es sollte sich herausstellen, dass nur 2 Amateurteams den CP3 in der vorgegebenen Zeit reicht hatten. Den restlichen Fahrern wurde eine Strafzeit aufgebrummt.

Mein Tageskilometerzähler zeigte an diesem Tag bereits 330km an ... getankt hatte ich noch nicht. Mein 20-Liter-Ebay-Tank verlangte auch noch nicht nach dem Reservehahn. Um aber weitere Stops zu vermeiden füllten wir den Tank bei CP2 um direkt nach Merzouga fahren zu können. Auf dem Weg dorthin tauchten langsam die ersten Dünen auf. In Erfoud bekam ich eine ekelhafte Dusche durch den vor mir fahrenden Kleinbus ab ... dieses Drecks-Straßen-Wasser fand so gar den Weg in meinen Mund. Bääähhhh ... ich spuckte unter dem Helm hindurch ... dachte an Millionen Bakterien und Krankheitserregern ... spülte noch mal mit Wasser aus meinem Camelbak den Mund und hoffte, nicht am Lassa Fieber erkrankt zu sein. Nach genau 426 km liefen wir in Merzouga ein. Das Dorf besteht eigentlich nur aus Touri-Hotels

... das war's erstmal für heute !

Sonntag, 28. März 2010

Tuareg Rallye Tag 1

Die Nacht auf der Fähre war kurz. Komplett genervt trank ich einen Kaffee in der Schiffsbar und gegen 7:00 Uhr versuchten wir nochmals unser Glück beim Zollbeamten ... yes ... hatten diesmal nur 5 min warten müssen. Danach runter vom Schiff, Geld wechseln, Motorrad runter von der Wildsau und umziehen, denn der Start war direkt am Hafengelände. D.h. der Tag startete viel besser als der Vorabend endete. Foto im Hafen von Nador ... gleich geht's los.


Um ca. 10:00 Uhr startet dann die Rallye. Zuerst raus aus Nador, entlang der Mittelmeerküste, vorbei an McDonalds und weiter ins Landesinnere. An jeder Ecke standen marokkanische Polizisten und machten uns den weg frei. Nach 30 min kamen dann laut Roadbook die letzten Tankstellen, bevor es offroad weiterging. Die Zeit spielte zu dem Zeitpunkt keine Rolle ... es kam nur darauf an, in einer bestimmten Zeit den Checkpoint 1 (CP) zu erreichen. Also erstmal ans navigieren gewöhnen. Ich fuhr in einer 4er Gruppe mit einem Polen, einem Litauer und einem Italiener (der war echt ok). Wir kam recht gut voran, bis nach 10 km die 660 Rallye von Chris streikte ... zum Glück war nur die Tankentlüftung abgeknickt. Recht locker flockig kamen wir zu CP1. Die Navigation war echt gut, was für mich bedeutete, dass ich den ICO Tripmaster gut eingestellt hatte. Ich musste selten Korrekturen vornehmen. Auf dem Weg zu CP2 fuhr ich mich leider im Modder fest. Kurz vor mir stürzte ein Fahrer im Dreck und ich wich seitlich aus ... da war es leider noch tiefer ... nach 5 min hatte ich mich da um Glück wieder rausgekämpft und fuhr immer entspannter CP2 entgegen. Jetzt ging's los ... die erste Wertungsprüfung (ca. 40km) auf Zeit. Wir 4 fuhren getrennt, was für mich bedeutete, alleine auf der Piste zu sein ... ein Fehler in der Navigation und ich würde für immer verschollen sein. Auf den ersten Kilometern konnte ich sogar noch 3 Bikes überholen ... darauf dann ein versteckter CP am Eingang eines ausgetrockneten Flußbettes. Dicke Steine lagen mir auf einmal im Weg und ich musste mich extrem auf das Fahren konzentrieren, ohne dabei die Navigation aus dem Auge zu lassen. Boah, war das ein Scheiß. Einmal bog ich falsch ab und musste daher wieder zurück ins Flußbett ... dabei legte ich erstmal die LC4 zur Seite und brach dabei den Kupplungshebel hab ... oh Gott, ich werde sterben. Egal, ich hab ja kleine Finger ... dann verpaßte ich eine "Flußbettausfahrt" und machte es mir damit unnötig schwer. Also umdrehen an den letzten bekannten Punkt im Roadbook, Tripmaster korrigieren und weiter ... nee ... erstmal eine kleine Pause, denn mittlerweile war es ziemlich warm geworden. Das Flußbett war überstanden und das Kuppeln ging auch noch. Auf dem Weg zu CP3 überholte mich 2x ein Engländer, der die Orientierung verloren hatte ... mit Stolz gab ich ihm dann den aktuellen km-Stand des Tripmaster inkl. des Navigationspunktes. Puh ... CP3 erreicht und mittlerweile war mein 3 Liter Camelbak leer. Blieben mir noch 1 Liter aus einer Trinkflasche. Die nächste Wertungsprüfung wurde abgesagt ... es ging also größtenteils auf der Straße in Richtung Missour. Dort angekommen war der Rest des Best Racing Teams bereits vor Ort und schaufelte Wurst-, Fisch- und Bierdosen in sich rein.


Ich hatte es nun nach 386km geschafft. Boah, war ich stolz auf mich. Die LC4 und der Defender sahen ziemlich verdreckt aus. Ich war erstmal platt und gönnte mir daher ein Dosenbier.


Danach ein Paar Wartungsarbeiten an der LC4, inkl. Austausch des Kupplungshebels, den ich von einem englischen Team bekam ... es fehlte dann nur noch das Beziehen der Zimmer ....

... ein 12-Mann-Zelt im Garten des Hotels ... Oh jee. Die Wartungsarbeiten am Defender gingen auch noch weiter. Auf der Etappe war ein Achsfangband abgerissen (es sollte nicht das einzige Mal sein). ... Mike schrieb mir grad, dass es nur zu lang war .... Auf jedenfall nahm Benni ein neues Gewebeband und versuchte mit einem Messer ein Loch hineinzuschneiden .... Aua ... ein Schnitt in den Mittelfinger bis auf den Knochen. Also ab zu den Sanis ... behandelt wurde erstmal in der Hotellobby, wo Benni dann auch erstmal eine Weile lag. Und weil's so schön war, klappte Steffi auch noch so halb um und wurde durch eine Coca Cola wieder zum Leben erweckt.

In der Zeit hat Mike übrigens die Arbeiten am Defender unter einer Laterne beendet. Nebenbei huschte da mal ein MAN KAT vorbei ... irgendwie gefällt mir dieses Foto (ISO 1600, f5.6, 0,8s, 10mm).

Was fehlte noch ? ..... das Essen. Zuerst eine undefinierbare Suppe, die aber relativ gut schmeckte, danach das marokkanische Standardessen. Gemüse, gekochter Hammel, gekochtes Huhn, Coucous mit Rosinen und Zimt .. usw. Der Feldarzt für Benni's weitere Behandlung musste auch erstmal etwas essen um danach den Schnitt mit 4 Stichen zu nähen. Dabei erzählten die Sanis erstmal von dem Verletzten des ersten Tages ... Motorradfahrer ... Oberschenkelhalsbruch ... ausgeflogen ... das lag mir schwer im Magen.

So, bis 23:00 Uhr warteten wir auf die Ergebnisse des 1. Tages ... entschieden uns dann aber ins Zelt zu gehen. *scharch*

Samstag, 27. März 2010

Tuareg Rallye 2010 meets YouTube

Heute gibt's mal nen YouTube Video ...



Zu sehen ist der "Epilog" / Zieleinlauf in Mojacar ... zwischen den beiden Sani-Fahrzeugen sind die Gewinner der jeweiligen Klassen, also auch Benni und Steffi. Schaut doch einfach mal bei YouTube vorbei, da sind mittlerweile sehr gute Videos der 2010er Rallye eingestellt.

P.S.: Hinter unserem schwarzen Defender ist übrigens mal wieder ein Italiener, der es nicht verstanden hat, dass nur die Gewinner vorne bzw. zwischen den Sani-Cars fahren.

Freitag, 26. März 2010

Technische Abnahme und Fähre

So, heute werde ich mich mit dem Schreiben etwas zurück halten und dafür ein Paar mehr Fotos einstellen. Der Sonntag war der "blödeste" Tag der ganzen Rallye. Allerdings startete er mit einem sehr guten Frühstück im Hotel nachdem wir alle das letzte Mal ausschlafen konnten. Die Sachen waren schnell gepackt und ab ging's runter zum Hafen, wo bereits der Rallye Tross auf uns wartete. Benni und Steffi hatten uns schon auf die ewige Warterei eingestimmt, denn die Fähre ging erst abends um 23:00 Uhr. Zuerst anstehen für die Rallyeanmeldung ....


... schon hier war klar, dass Geduld gefragt war. Zu diesem Zeitpunkt fing bereits die Liebe zu den italienischen Rallye-Kollegen an. Um das ganze mal zu verdeutlichen ... die Abfertigung der Südländer dauerte ewig, weil sie einerseits der englischen Sprache nicht immer mächtig waren, aber auch anscheinend weil sie dachten, dass die Formulare sich von selber ausfüllten. nee nee nee.
Als nächstes wurden die Fahrzeuge nach Anleitung beklebt, damit der folgenden technischen Abnahme nichts entgegenstand.

Keine Ahnung wieso bei der Abnahme 1 Arzt, 1 Sani und 1er aus der Orga dabei waren ....

Die LC4 musste während der Überfahrt auf die Wildsau geschnallt werden, wofür wir kurz vor unserer Abreise in Osterode noch schnell ein kleines Provisorium geschweißt hatten.

Nun waren wir bereit für die Fähre. Zeit: ca. 19:30 Uhr .... Ablegen der Fähre: 23:00 Uhr. Also Zeit, sich noch ein Paar Mitbewerber anzuschauen

Die britischen Desert Warrior fielen einem zuerst ins Auge. Die Profigeräte, die entweder mit einem V8 Range-Motor oder mit einem BMW Turbo-Diesel ausgestattet waren, machten schon was her. Später stellte sich heraus, dass der mittlere grüne V8 Desert Warrior bei Benni und Steffi in der Amateurs-Wertung starten sollte.

Es war ca. 21:30 Uhr als das Verladen der Fahrzeuge begann. Wir bezogen unsere Kabinen auf der "Wisteria" und machten uns daran, die Zollmodalitäten für Marokko hinter uns zu bringen. Genau an dieser Stelle wurde das ganze zur Qual. Auf der Fähre waren 3 Zollbeamte, EINER zuständig für die Fahrzeug-Abfertigung, 2 für die Personeneinreise. Für die Personeneinreise standen wir ca. 2,5 Stunden an. Am Anfang lief alles geordnet, bis meine italienischen Freunde sich nicht mehr in der Schlange anstellten, sondern eine Traube um den Tisch des Zollbeamten bildeten. *würg* ... Die Schlange an der Fahrzeugabfertigung war zu diesem Zeitpunkt immer noch ewig lang. Es machte sich wirklich Unmut breit. Wir beschlossen, das ganze auf den nächsten Morgen zu verlegen. Also ab in die Schiffsbar. Ich war so genervt, dass erstmal etwas Dosenbier ran musste. Seit Nomber 2009 hatte ich dem Alkohol fast abgeschworen, aber in dieser Situation ging's nicht anders. Und wie man da so sitzt, wurden es immer mehr Dosen. Die beiden Mädels hatten einen Schiffsoffizier aufgegabelt, der immer wieder für Nachschub sorgte.


Es war wirklich ein Frust saufen. Nach 3 Dosen merkte ich bereits den Alkohol in meinem Kopf, was mich aber nicht vergessen ließ, dass ich für den nächsten Tag das Roadbook noch zu kleben hatte ...


Die Schere hatte ich übrigens irgendwo verbaselt, so dass mein Multitool dafür herhalten musste. Zum Glück war ich noch so fit im Kopf, dass ich alles richtig zusammen geklebt habe. Ich glaube, es war kurz vor 2 Uhr morgens, als wir in unsere Kojen fielen. Geplante Ankunft in Nador: 07:00 Uhr. Aufstehen um 6:30 Uhr. Was sollte das nur für ein erster Rallye-Tag werden ?

Mittwoch, 24. März 2010

Das BEST RacingTeam

Gestern gegen 20:16 Uhr liefen wir mit dem Mietwagen wieder in Osterode am Harz ein. Unsere erste Aktion ... PIZZA essen. Wir brauchten mal wieder ordentliches Essen.

Bevor ich jetzt das ganze Projekt "Tuareg Rallye 2010" fertig erzähle, starte ich heute erstmal mit der Teamvorstellung und in den nächsten Tagen wird dann einfach der Rest niedergeschrieben.

Die Gründer des BEST Racing Teams sind BEnjamin und STeffi. Sie hatten bereits 2009 bei der Tuareg Rallye teilgenommen und konnten dadurch enorm viel in das Team miteinbringen.


Fangen wir mal rechts an ... mein Bruder Benni. Er war der Navigator im schwarzen Defender. Habe so das Gefühl, dass er das Wort Beifahrer nicht so mag, deshalb bekommt er diese neue Berufsbezeichnung. Wenn's mal wieder dicke Luft im Auto gab, ging Benni immer durch das Fahrerlager und suchte Mitglieder für seine Beifahrer-Gewerkschaft .... unter dem Moto "das Gehirn sitzt im Rallye-Car rechts" warb er für mehr Anerkennung der Beifahrer. Dann kommt Lisa aus der Oberpfalz. Offiziel nahm sie gar nicht an der Rallye teil, sondern war im Skiurlaub in Ischgl. Ja, die Oma hätte sich bei dem Satz "Omma, ich fahr zu Tuareg Rallye nach Nordafrika" zu viel Sorgen gemacht ... daher diese kleine "Ausrede". Ich hoffe jetzt mal, dass die Oma diesen Blog nicht ließt. Lisa war die Frau auf unserer grünen Wildsau. Sie war unsere Projekt-Managerin und stand mit Rat, Tat und den Dirhamms zur Seite. Weiterhin ließen die Mädels ab und zu mal ihren Scharm spielen, was in manchen Situationen recht hilfreich war bzw. uns zu einer Menge Dosenbier verhalf. Das war jetzt die Überleitung zu Steffi. Sie hat die Lizenz zum "Im Kreis fahren". Schon Rennsport erprobt steuerte sie den Defender über Stein und Sand. Steffi hatte immer einen ständigen Begleiter .... die Aufregung. Toilettengänge, wenn's denn eine gab, so kurz vor dem Start waren keine Seltenheit. Aber vielleicht das gehört das einfach mit zum Rallye fahren dazu. Jetzt sind wir bei Mike angekommen, der Mann auf der grünen Wildsau. Er war unser Rallye Fleet Manager. Wartungsarbeiten und Reparaturen an den Fahrzeugen leistete er mit Harzer Gelassenheit und war in Sachen Gepäck & Logistik erster Ansprechpartner. Ganz links auf dem Foto bin ich und über mich kann ich leider nichts schreiben.

Ich denke mal, dass ich bis Freitag Abend den nächsten Part des Rallyeberichts fertig habe ... also schaut einfach mal wieder rein.

Wer Fehler findet, kann sie behalten !!!

Montag, 6. Juli 2009

Auf dem Weg zur Tuareg Rallye 2010 (Teil1) ... Wie alles begann

So ...

Als ich 1992 meine ersten Kilometer auf einer Enduro (Kawa KLR 650 Tengai) runterspulte, begann der Traum der Wüstendurchquerung mit dem Motorrad oder eine Rallye-Teilnahme. Nachdem ich dann 1995 bei einer Reise mit dem Dachzelt-LKW einen Motorradfahrer mit einer Yamaha XT500 in Jordanien traf, verstärkte sich dieser Wunsch. Doch zuerst stand die Karriere an und es dauert über 10 Jahre bis ich das Projekt wieder in schlagreichweite war.

Schuld daran war mein kleiner Bruder, der recht spontan mit seinem schwarzen Defender an der Tuareg Rallye 2009 teilnahm und nach seiner Rückkehr einfach nur davon schwärmte. Er berichtete auch von Amateur-Fahrern und meinte: "Da kannst Du auch mitmachen". Meine Augen fingen an zu strahlen und in meinem Kopf begann das Projekt Tuareg Rallye 2010.

Aber ohne Vorbereitung geht da gar nichts. Seit 2006 fahre ich eine KTM LC8 990 Adventure. Doch dieses elektronische Offroad-Eisenschwein ist in Verbindung mit meinem noch begrenztem Offroad-Skill nicht geeignet. Also musste ein neues Gefährt ran. Dazu mehr im nächsten Post.

Fortsetzung folgt.